Online · 08. – 21. April 2021 44. INTERNATIONALE GRENZLAND-FILMTAGE
Programm

Preisträger

Im Rahmen der virtuellen Preisverleihung der 44. Internationalen Grenzland-Filmtage 2021 werden die Preisträger in den verschiedenen Kategorien bekannt gegeben.

Wer Lust hat die Gewinnerfilme anzusehen hat hier Möglichkeit dazu. Alle Gewinnerfilme stehen nochmals als „Gesamtpaket“ (Paketpreis 15,- €) von Freitag, 23.04., 22.00 Uhr bis Sonntag, 25.04., 24.00 Uhr zum Streamen zur Verfügung.

ZuKi-Filmpreis Kinderfilm

(gestiftet von Zukunft Kinder e.V.)

Preisträger: CAT LAKE CITY

Regie: Antje Heyn | Deutschland 2019

Jury-Filmpreis "Osteuropäischer Film"

(gestiftet von der Stadt Selb)

Preisträger: BLINDFOLD (Augenbinde)

Regie: Taras Dron | Ukraine 2020

Jury-Begründung

Zur Auswahl standen dieses Jahr sieben osteuropäische Filme. Unsere Entscheidung fiel auf den ukrainischen Film "Augenbinde". Uns alle berührte dieser Film zutiefst: tolle Schauspieler, sensible Regie, einprägsam inszenierte Einblicke in Lebenssituationen und im Hintergrund der "bewaffnete Konflikt" an der Ostgrenze der Ukraine, die Mitglied von NATO und EU werden will.

"Kampf" zeigt der Film nur im Boxring - auch mit johlenden Soldaten als Zuschauern. Er verfolgt im weiteren die Entwicklung Julias und spiegelt den Krieg damit zurück auf die "Heimatfront", auf die Frauen. Julia hat den Status einer Kriegswitwe. Eine Beziehung zu einem anderen Mann gestattet sie sich erst wieder, als sie Vertrauen zu diesem Angehörigen einer höheren sozialen Schicht gewinnt, einer Schicht, die sehr schön durch gestyltes Ambiente - im Gegensatz zu ihren ärmlichen Wohnverhältnissen - charakterisiert wird. Von deren arroganten Repräsentanten wird sie jedoch bald in ihre von der Gesellschaft definierten Grenzen und ihre gesellschaftliche Rolle zurück verwiesen. Von da an unterstützt sie die Bemühungen der Frauen, die um Klarsicht auf die wirklichen Schicksale der Kämpfenden oder Gefallenen ringen, auf die Gefahr hin, von Erpressern hintergangen zu werden. Auch Julias Begegnung mit Kriegsversehrten ändert ihre Sicht auf die Ereignisse, die auch wir aus der Ferne täglich in Presse und TV zur Kenntnis nehmen könnten - hätten wir nicht auch "verbundene Augen" bei den zahllosen Schauplätzen weltweit…

Jury-Filmpreis "Nachwuchs-Film"

(gestiftet von der Sparkasse Hochfranken)

Preisträger: ISAAC

Regie: Jurgis Matulevicius | Litauen 2019

Jury-Begründung

Die Jury des diesjährigen Festivals für den Nachwuchspreis zeichnet einen Film aus, der in guter Tradition zu den Anfangsjahren der Grenzland-Filmtage steht,
die seit jeher das Ziel hatten, einen filmischen Blick in unsere osteuropäischen Nachbarländer zu werfen und zu erfahren, mit welchen aktuellen Themen sich Filmemacher dort beschäftigen. Seither ist viel geschehen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs haben sich nicht nur die Grenzen geöffnet, es sind auch neue eigenständige Staaten entstanden bzw. konnten sich wieder neu konstituieren. Z. B. Litauen: Den eigenständigen Staat Litauen gibt es in dieser Form erst wieder seit 31 Jahren. Vom Filmland Litauen wissen wir bisher sehr wenig. Umso erfreulicher ist es, das wir in Selb den Debut-Spielfilm des jungen litauischen Regisseurs Jurgis Matulevicius präsentieren konnten, der zu Recht für den europäischen Filmpreis nominiert wurde.

Sein Thema betrifft sowohl uns Deutsche als auch Litauen. Geschichtlich ist relativ wenig darüber bekannt, dass von den Nazis auch während der Besetzung der baltischen Länder der Großteil der ansässigen jüdischen Bevölkerung deportiert und in dortigen Konzentrationslagern ermordet wurde. Dabei wurden sie nicht selten von der einheimischen Bevölkerung unterstützt, die mit dem deutschen Einmarsch die Hoffnung verbanden, von der zu dieser Zeit bestehenden sowjetischen Fremdherrschaft befreit zu werden. Welche wiederum unmittelbar nach Beendigung des zweiten Weltkriegs ihre Fortsetzung fand. Dieses politische Dilemma greift der Film auf und erzählt es anhand einer individuellen und doch universalen Geschichte über Schuld und Sühne. „Isaac“ handelt von einem Mann, der sich in den Wirren dieser Zeit von der angeheizten Stimmung mitreißen lässt und bei einem von den Nazis angezettelten Massaker seinen jüdischen Nachbarn, von dem er sich verraten geglaubt fühlt, tötet. Dieser Vorfall im litauischen Kaunas des Jahres 1941 ist historisch verbürgt und ein Schandfleck in der Geschichte dieser Stadt, an den man nicht erinnert werden möchte. Wir kennen dieses Problem auch aus Deutschland. Auch hier gibt es Städte, die Geschehnisse aus der NS- Zeit schmerzhaft aufarbeiten mussten.

Wir von der Jury finden es mutig, dass ein Filmemacher dieses Landes sich gerade in seinem Debutfilm an ein solches Tabu-Thema heranwagt, dass ein nationales Trauma anrührt. Der Film Isaac ist deshalb aus unserer Sicht nicht nur ein eindringliches persönliches Drama über Schuld, Verdrängung und Sühne, sondern ein wichtiger gesellschaftlich relevanter Film. Und er überzeugt mit einer eigenen individuellen Filmsprache, die sich durch flüssige Kameraführung auszeichnet und mit dem Wechsel zwischen Schwarz-Weiß und Farbeinstellungen ästhetische Akzente setzt. Wir wünschen diesen Film, der bisher nur bei europäischen Festivals, aber noch nicht im eigenen Land gezeigt werden konnte, nicht nur in seiner Heimat ein aufgeschlossenes Publikum, aber auch darüber hinaus die internationale Würdigung, die er verdient. Herzlichen Glückwunsch Jurgis Matulevicius!

Publikums-Filmpreise

(gestiftet von Rosenthal GmbH)

Preisträger Kategorie "Spielfilm": ZWEI IST EINE GUTE ZAHL

Regie: Holger Borggrefe, Stefan Hering | Deutschland 2020

Preisträger Kategorie "Mittellanger Spielfilm": EL MONSTRUO INVISIBLE

Regie: Javier & Guillermo Fesser Perez de Petinto | Spanien 2019

Preisträger Kategorie "Kurzfilm": BETWEEN A ROCK AND A HARD PLACE

Regie: Mads Koudal | Dänemark 2019

Preisträger Kategorie "Dokumentarfilm": MUTWÄRTS

Regie: Sabine Katharina Schmid | Deutschland 2020